Wie entdeckt man eine vergessene germanische Siedlung?
Im Herbst 1971 beging der ehrenamtliche Bodendenkmalpfleger Bernd Fischer aus Zeuthen eine Ackerfläche zwischen Buschweg und Stintgraben bei Klein Köris. Er entdeckte dabei vom Pflug an die Oberfläche beförderte Keramikscherben, Eisenschlacken und Brandlehmbrocken, die zusammen mit dunklen Bodenverfärbungen auf eine Siedlungsstelle der römischen Kaiser- bis Völkerwanderungszeit hindeuteten.
Bei einer seiner weiteren Begehungen musste er im Frühjahr 1976 feststellen, dass die Landwirte damit begonnen hatten, im Zentrum der Siedlungsstelle großflächig Sand abzubaggern, um damit Geländesenken in der Umgebung aufzufüllen. In der gestörten Fläche waren neben verschiedenen Funden auch mehrere Grubenhäuser zu erkennen, die der Bagger freigelegt und bereits teilweise zerstört hatte.
Die Baggerarbeiten konnten gestoppt werden und die hinzugerufenen Mitarbeiter des Museums für Ur- und Frühgeschichte Potsdam begannen, eine erste Notgrabung durchzuführen. Es zeigte sich eine hervorragende Erhaltung der noch unangetasteten Siedlungsreste. Aufgrunddessen entschied man sich, die Ausgrabungsarbeiten zu Forschungszwecken fortzuführen. Die Ausgrabungen, die unter der Leitung von Sven Gustavs standen, sollten sodann bis 1995 andauern.
Von der ehemaligen Siedlungsfläche, die rund 2,5 ha umfasste, konnten etwa drei Viertel untersucht werden. Die Siedlung lag auf einer flachen Anhöhe am Ufer eines früheren Nebenlaufes der Dahme, der in den Klein Köriser See mündete. Durch den hohen Grundwasserspiegel hatten sich hölzerne Gegenstände und Konstruktionen erhalten, eine außergewöhnliche Situation für Siedlungen dieser Zeitstellung. Der Erhaltungszustand der Hölzer gestattet unter anderem eine Rekonstruktion der Bauweise der Gebäude.
Die Bewohner der Siedlung lebten in ebenerdigen Wohnstallhäusern, die in Pfostenbauweise und mit Bohlenwänden errichtet und mit Herdstellen und Lehmfußböden ausgestattet waren. Daneben gab es Grubenhäuser, die handwerklichen Tätigkeiten und Lagerzwecken dienten. Die Lebensgrundlage waren Ackerbau und Viehhaltung, ergänzt durch Jagd und Fischfang. Zudem sind handwerkliche Tätigkeiten nachgwiesen, darunter die Textilherstellung (Spinnen, Weben) sowie die Verarbeitung von Holz, Knochen und Geweih. Schlackenfunde zeigen, dass in der Siedlung auch Eisen verhüttet und geschmiedet wurde. Sogar ein Feinschmied war hier tätig, der mit Bunt- und Edelmetall gearbeitet hat.
Ortsfremde Schmuck- und Keramikfunde weisen darauf hin, dass die ansässigen Germanen mit weiter entfernten Gegenden in Verbindung standen. Unter anderem sind auch Kontakte ins Römische Reich nachweisbar.
Die kleine Siedlung, die wohl nur aus einem Gehöft bestand, existierte vom 2. bis 5. Jahrhundert n. Chr. In dieser Zeit entstanden Gebäude, verfielen und wurden an anderer Stelle wieder neu errichtet. Irgendwann wurde die Siedlung dann jedoch verlassen.
Einige Ergebnisse der Ausgrabungen sind in mehreren Vorberichten präsentiert worden, die eigentliche Gesamtauswertung und Veröffentlichung steht noch aus …





